Die Zukunft von Zeitungen – Print wieder In?

Die Gesamtreichweite von Zeitungen steigt kontinuierlich an. 2018 lesen 89 % der Deutschen über 14 Jahren Zeitung, das sind 2 % mehr als noch im letzten Jahr. Ist das ein Indiz dafür, dass Print wieder In ist, oder eine Reaktion auf die neuen digitalen Angebote der Zeitungen?

Die Reichweite steigt an – Print oder digital?

Die Reichweite steigt, die Anzahl an Printnutzern aber nicht? Neun von zehn Deutschen über 14 Jahren lesen Zeitungen, zeigte eine Sonderauswertung der ZMG Zeitungsmarktforschung Gesellschaft aus der Markt-Media-Studie best for planning. Das sind 62,7 Millionen Menschen und damit 1,7 Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Die meisten Leser, 43 %, nutzen sowohl die Print- wie auch Onlineangebote der Zeitungen. Weitere 33 % der Leser greifen ausschließlich auf Online-Angebote zurück. Lediglich 24 % der Leser nutzen ausschließlich Print-Medien. Während im letzten Jahr Print und Digital nahezu gleichauf waren, liegt die digitale Nutzung in diesem Jahr bereits 9 % vor der Printnutzung. Gerade die Mischung der Angebote hilft die Reichweite von Zeitungen zu steigern. Katrin Tischler, Geschäftsführerin Märkte beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), kommentiert die Ergebnisse der Studie wie folgt: „Gerade die steigende Zeitungsnutzung über Desktop, Mobile und Apps zeigt, wie gut die Zeitungen mit ihrer breiten Angebotspalette auch neue Nutzungsgewohnheiten bedienen“. Mit der Nettoreichweite von Print und Digital gewinnen die Zeitungen 29,3% gegenüber der Printreichweite, das sind 20,7 Millionen Nutzer pro Monat.

Junge Menschen lesen Zeitung – aber wie?

Positiv hervorzuheben ist, dass immer mehr Millennials zwischen 14 und 29 Zeitung lesen. Gerade in dieser Altersklasse ist die Nutzung von digitalen Angeboten signifikant. 88,7 % lesen Zeitung, und zwar bevorzugt auf dem Smartphone. Gerade in dieser Gruppe gewinnen die Zeitungen mit ihren Onlineangeboten Nutzer, und zwar 7,9 Millionen im Monat. Gegenüber der Printreichweite ist das eine Zunahme von 153 %. Während es eine positive Entwicklung ist, dass immer mehr junge Menschen Zeitung lesen, so ist doch ein Trend erkennbar, der sich weg von Print und hin zu Onlinemedien entwickelt. Ältere Leute, die nicht mit dem Internet und Smartphones aufgewachsen sind, nehmen Print als vertrauenswürdiger war. Auch spielen bei ihnen TV und Radio noch eine größere Rolle in der Informationsaufnahme. Laut dem Reuters Institute Digital News Report 2018, sind die Medien, denen die Deutschen am meisten vertrauen Traditionsmedien, wie die TV-Kanäle ARD und ZDF, sowie den regionalen Zeitungen und lang etablierten Zeitungen, wie Die Zeit, Spiegel oder die Frankfurter Allgemeine. Umso wichtiger ist es natürlich, dass gerade diese Traditionsmedien, sich auch für jüngere Generationen attraktiv machen. Denn die 14 bis 29-jährigen und alle Generationen die folgen, sind mit dem Internet und dem Smartphone aufgewachsen und vertrauen diesem auch dementsprechend.

Zeitung von Morgen

Schlussendlich ist Zeitung wieder In, Print aber nicht. Wenn Zeitungen sich in den kommenden Jahren durchsetzen wollen, müssen sie ihr breitgefächertes Angebot aufrechterhalten. Immer öfter wird auf Seiten wie Facebook und Co. zugegriffen um sich zu informieren. Laut dem Reuters Institute Digital News Report 2018 greifen mittlerweile 24 % der Deutschen auf Facebook zurück um sich über Neuigkeiten zu informieren. Um ihre Vorrangstellung beizubehalten, müssen Zeitungen auch in Zukunft für die Leser greifbar bleiben. Und vor allem einfach zugänglich. Eine weitere Problematik ergibt sich aus wirtschaftlichen Faktoren. Dies stellt ein Problem für die Verlage dar. Mathias Döpfner, CEO der Axel Springer SE erklärt: „Gleichzeitig geht es dem Journalismus wirtschaftlich nicht gut; das Printgeschäft ist rückläufig und die digitalen Angebote sind wirtschaftlich mangels ausreichender Monetarisierung noch nicht befriedigend.“ Lediglich 8 % der Deutschen sind bereit für Online-Angebote zu zahlen. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Trend in den nächsten Jahren entwickelt.

In den kommenden Jahren wird sich der Zeitungsmarkt verändern. Die Zeitung, die einst das Medium war, dass allen die gleichen Geschichten bot, muss sich damit auseinandersetzen, dass die Gesellschaft immer individueller wird und somit auch immer individuellere Ansprüche an Medien hat.